„Träume große Träume“ (R. Hanson)

Wir haben unglaubliche Möglichkeiten, doch unsere Träume verkümmern, hält der Neuropsychologe Rick Hanson fest. Welchen Traum träumen Sie? Erinnern Sie sich an einen Traum, den Sie seit langer Zeit in sich tragen und irgendwann einmal wegstellten, so dass Sie ihn fast vergessen haben? Ein vermeintlicher Realismus sagt uns: Träume sind doch Schäume. Vermeintliche Lebensklugheit ergänzt: Die raue Lebenswirklichkeit verträgt keine Träume. Können Sie sich im amerikanischen Wahlkampf, im europäischen Parlament oder im Bundestag Politikerinnen, Politiker vorstellen, die ihre Rede beginnen, wie Martin L. King am 28. August 1963 in Washington: „Ich habe einen Traum …“?

Wir haben alle unsere Träume, lang gehegte zumal. Wir haben unsere Freundschaft mit ihnen schleifen lassen. Vielleicht misstrauen wir ihnen sogar. R. Hanson rät: 

„Schaffe Platz für deine Träume in deinem Denken und Handeln. Sei mit ihnen eng befreundet.“ 

Enge Freundschaften leben nicht nur von großen Momenten. Sie bewähren sich durch die Gedankenmomente, in kurzen, miteinander geteilten Zeiten, in den Zwischenrufen und Lebenszeichen. Das erhält uns die Verbundenheit, die ermöglicht, in jeder Begegnung den Faden wieder dort aufzunehmen, wo er zuletzt liegenblieb. Enge Freundschaften leben auch von den Luftmaschen im Gewebe des Lebens. Durch sie schaffen wir Luft und Raum für unsere Träume und das enge Befreundetsein mit ihnen.

Lebensträume leben von der Geduld, die wir mit ihnen haben. Sie überleben in den kleinen Schritten, kleinen Ereignissen, kleinen Taten, mit denen wir beharrlich und gelassen an ihrer Verwirklichung arbeiten. Sie leben vom Glauben daran, dass die Träume einmal Wirklichkeit werden.

„Stell’ dir vor, wie es wäre, wenn sie sich erfüllen würden, und wie gut das für dich und andere wäre.“ (R. Hanson)

Die Verwirklichung von Träumen setzt das Achten auf Gelegenheiten voraus, in denen sich die vielen Bausteine, die wir auf dem Weg zusammengetragen haben, zusammenfügen lassen. Jeder Baustein wird gesammelt, erarbeitet und bereitgelegt, weil wir mit ihm den ganzen Traum verbinden. Wie der Steinmetz in einer Erzählung dem Wanderer auf dessen Frage antwortet, was er denn da tue? Siehst du nicht, ich baue an einer Kathedrale. Jeder von ihm bearbeitete Stein ist mit dem Traum von der Kathedrale verbunden.

Träume beschenken den Menschen. Sie öffnen in der engen Lebenswirklichkeit persönliche Freiräume. Das ist das erste. Sie ermutigen zweitens dazu, kleine Schritte im großen Zusammenhang eines Traumes zu sehen, den wir hegen. Drittens machen sie geduldig, gelassen und  halten den Blick in der Verwirklichungsperspektive, wenn wir uns mit unserem Traum eng befreunden. Träume sind also keine Schäume, sondern Anlässe, in der rauen Lebenswirklichkeit zu erspüren, was uns zufrieden macht, befriedet.

Fragen Sie sich, welchen lang gehegten Traum sie verwirklichen wollen? Fragen Sie sich auch, wie lange Sie noch die Verwirklichung Ihres Traumes vor sich herschieben wollen? Fragen Sie sich, ob nicht jetzt der rechte Zeitpunkt, der Kairos ist, um mit ersten Schritten die Verwirklichung Ihres Traums zu beginnen? Halten Sie zumindest enge Verbundenheit mit Ihrem Traum, wenn sie ihn wiederentdeckt haben.

Zitate von Rick Hanson aus:

Hanson, R. (2020). Just one minute, Nr. 43: Träume große Träume. Arbeitsblatt. Arbor Verlag