Die CDU verliert die Wahl zu Ministerpräsident und Landtag in Baden-Württemberg zwar knapp, aber sie HAT sie verloren. Statt einer Analyse, larmoyantes Gejammere und fragliche Vorhaltungen an den Gewinner der Wahl, als wäre er der grün-linke Wolf im realpolitischen Schafspelz. Und dann noch diese fiese Video. Ein unbedarfter, fast noch puberträrer CDU-Jüngling schwärmt von einem Auftritt vor einer Mädchenklasse und einer Schönheit, die ihn wohl noch eine Weile verzückte. So was lanciert wieder so eine grün-linke Bundestagsabgeordnete (aus Baden, nicht aus Württemberg) gegen den vor der Wahl als künftigen Ministerpräsidenten des „Ländles“ gehandelten CDU-Kandidaten. Der erzählt dann reuig, wie ihm seine Frau den Kopf gewaschen habe. Fast hätte ich vor Mitleid (oder war es vor Lachen?) ein paar Tränchen vertropft. Wer weiß, was jetzt zu Hause los ist, nachdem er die Wahl verlor.
Dieselbe CDU in Person des Bundeskanzlers beruft einen als sehr, fast hätte ich geschrieben „militant“ konservativ bekannten Nichtpolitiker in das Amt des Kulturstaatssekretärs. Er verdrahtet sich – kaum im Amt – mit dem Verfassungsschutz und beschafft jenem Arbeit: Der solle doch mal Buchhandlungen beobachten. Bekanntlich stehen in manchen Läden ja extrem-linke (oder links-extreme?) Bücher herum, deren schierer Anblick schon zum Terror gegen Deutschland motiviert. Es sind eben nicht immer nur die Rechten, die Deutschland bedrohen, die, soweit sie in einer deutsch-alternativen Partei Funktionäre sind, kaum das Zeug haben dürften, selbsttätig Bücher zu schreiben. Bekanntlich tun sich ja Mitglieder des Parteivorstandes schwer, grammatikalisch richtige Sätze in deutscher Sprache zu bilden, geschweige denn Fremdwörter (außer Remigration) zu gebrauchen. Für Bücher, gleich welcher Art, besteht übrigens (noch?) kein Kaufzwang. Bücher wählt der mündige Leser aus. Sie formulieren in der Regel Standpunkte, Argumentationen und Meinungen. Sie stellen sie zur Diskussion. Anders als in politischen Talkshows verbringt man beim Lesen Tage, zuweilen Monate oder auch mal ein Jahr Zeit mit ihnen. Ein knapper Fünfwortsatz, erweitert durch eine rhetorische Floskel, wie sie der deutsche Bundeskanzler bevorzugt, reicht meist nicht aus, um eine eigene Argumentation zum Buchinhalt zu formulieren. Gut, der Bundeskanzler war im Management. Da lernt man: Sag‘ es so, dass es Vierjährige oder Vorstände verstehen können.
Entsetzt lese ich heute, der Innenminister (der Bayern ständig mit Deutschland verwechselt) beabsichtige für die Kulturlandschaft (als ob es das in CDU-Deutschland noch gäbe, siehe Berlinale!) flächendeckende Beobachtungen durch den Verfassungschutz. Ich beruhige mich mit der Annahme, dass sicher wieder ein grün-linker (oder links-grüner?) Journalist so was in die Welt setzt. Kann gar nicht stimmen, lohnt sich auch gar nicht. Denn die beschworene Kulturlandschaft ist demnächst kaputt gespart, wegen Rüstung und Investitionen in moderne fossile Brennstofftechnologie, und ja, in kleine, handliche Atomkraftwerkchen, mit denen dann jeder seinen Strom produzieren kann. Und die rote Tonne für die Entsorgung der Brennstäbe. Die Bayern (ob die Deutschen?) bekommen das dann auch hin, denn sie haben sicher während der Schulzeit viele unangekündigte Extemporalien dazu geschrieben, also kontinuierlich gelernt. Auch mit der Angst umzugehen; denn ein wenig Angst macht das Atom schon.
Stammt eigentlich die Bundeswirtschaftsministerin aus Bayern, so angstfrei und unbesorgt, wie sie einen Klimakiller nach dem anderen reaktiviert? Einen bayerischen Edelmann hat sie zumindest an der Seite. Einen garantiert angstfreien, mutigen, fast draufgängerischen, sonst wäre er sicher nie Verteidigungsminister gewesen. Wir können also ganz unbesorgt sein. Sie mag sich ja mit der Sprache schwertun (gibt es auch bei außerhalb der AfD), und mit der freien Rede zumal, ist aber nicht dramatisch, denn sie weiß ganz sicher, wie Rollen rückwärts funktionieren. Und das ist für das CDU-Regieren entscheidend. Überhaupt, vielleicht sollten wir alle ein bisschen mehr nach hinten, an den Anfang des 20. Jhdts. blicken, um mehr Verständnis entwickeln zu können für dieses Deutschland, das die Regierung gerade (ver-)formt. Ist auch gut, weil es da noch keine bösen Nationalsozialisten gab. Und: Wir sollten endlich auch der visionären Kraft des Bundeskanzlers trauen, der der FDP die völlige Bedeutungslosigkeit voraussagte. Gäbe es diese grüne Plage nicht, dann hätten wir angesichts der Selbstmarginalierungskraft der SPD bald eine Zweiparteiendemokratie in Deutschland, die guten Konservativen in der CDU und die bösen Nationalrechten in der AfD. Die USA machen es uns, wie so oft, vor, wer irgendwann einmal das Sagen hat. Und dann, dann wären ein paar Grüne, Sozialdemokraten und Linke als Erinnerungsträger*innen der demokratischen Kultur nicht schlecht.