Da ist ein ukrainischer Athlet. Wladyslaw Heraskewytsch. Skeletonfahrer. Er hat seinen Helm mit Bildern dekoriert. Sie zeigen Porträts von Athlet*innen der Ukraine. Opfer des russischen Kriegs gegen die Ukraine. Kein Wort. Keine Parole. Nichts als die Bilder. Er wurde disqualifiziert, weil er gegen die olympische Regel Nr. 50/1.3 zu ostentativer Werbung oder Propaganda auf Wettkampfgegenständen„Denkverschiebung – eine neue olympische Disziplin?“ weiterlesen
Autor-Archive:chrriedel
Umwege sind das Leben.
Zuweilen begegnen einem Texte aus der persönlichen Lesegeschichte wieder – und unterbrechen das Denken. An solchen Bruchstellen öffnet sich die Oberfläche der Gedanken. Öffnungen laden ein, dem nachzugehen, was sich außerhalb des eingeschlagenen Denkweges daneben, darüber, darunter entdecken lässt. Tatsächlich geht es nach öffnenden Unterbrechungen für’s Erste „drunter und drüber“. Ein Literaturhinweis in Hartmut Rosas„Umwege sind das Leben.“ weiterlesen
Spring vom Stier, Europa!
Der griechische Mythos erzählt, dass sich Zeus in Europa, die Tochter eines phönizischen Königspaares verliebt und sie heiraten will. Er verwandelt sich in einen Stier, stark und anmutig zugleich. Ovid erzählt in seinen Metamorphosen von einem weißen Stier. Europa fasst Vertrauen, schwingt sich auf den Rücken des Tiers. Das trägt sie in Windeseile übers Meer„Spring vom Stier, Europa!“ weiterlesen
Mehr apokalyptisches Denken, bitte!
Apokalyptik ist nicht in erster Linie eine literarische Gattung voll großer Krisenbilder und Untergangseskalationen. Sie ist nicht allein das literarische und cineastische Surfen auf der Bugwelle der Überlebensangst. Ursprünglich ist Apokalypse eine Zeitform. Sie verbindet die ausstehende Zukunft, das was sich zeigen wird, mit dem, was sich heute schon, also in der Gegenwart, darüber andeutet.„Mehr apokalyptisches Denken, bitte!“ weiterlesen
Metaxy und Moira
Der Bozner Skulpturenkünstler Andrea Bianco fordert die jeweiligen Neubesitzer eines Werkes auf, den Figuren Namen zu geben. Metaxy benannte ich die Tonskulptur in ihrer abstrakten, dennoch klaren Form. Ihre beiden asymmetrischen „Flügel“ begrenzen den Binnenraum der Skulptur, in dem sie den umgebenden Raum unterbrechen. Nicht hart, nicht schneidend. Dafür sind sie zu abgerundet und in„Metaxy und Moira“ weiterlesen
Das Wort ist der Anfang.
„Im Anfang war das Wort. … Alles wurde dadurch, und außerhalb dessen wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Dunkelheit und die Dunkelheit nahm es nicht auf.“ (Joh 1, 1a; 3 – 5) Ein gegenwärtiger Text, gut 2000 Jahre„Das Wort ist der Anfang.“ weiterlesen
Der Triumph der Mörder über das unschuldige Opfer
Max Horkheimer, der Mitbegründer der Frankfurter Schule, sprach in einem 1970 veröffentlichten Interview von „einer Sehnsucht danach, daß der Mörder nicht über das unschuldige Opfer triumphieren möge“ (Horkheimer, 1970, S. 60). Mit dem 28-Punkte-Plan, der heute veröffentlicht wurde (Süddeutsche Zeitung, 22.11.2025), triumphiert der Mörder über das unschuldige Opfer. Wider die Sehnsucht steht ein weithin rechtswidriges„Der Triumph der Mörder über das unschuldige Opfer“ weiterlesen
Ist Empörungstheater eine Lösung?
Innert der letzten vier Wochen meine ich immer wieder, einen Blogbeitrag zur Weltlage schreiben zu müssen. Alle Ideen und Notizen dazu verwarf ich jedesmal. Ich werde den Eindruck nicht los, dass sich die Nachrichtenlage zu den beiden Kriegen in der Ukraine und in Gaza, zu den Ausgeburten der us-amerikanischen Politik und der ankündigungsorientierten Zögerlichkeit Europas„Ist Empörungstheater eine Lösung?“ weiterlesen
Eleganz und Würde
Ein eleganter Mensch starb in der vergangenen Woche: Giorgio Armani. Der italienische Modeschöpfer verband in seinen Designs formale Einfachheit mit der Lässigkeit des natürlich Kostbaren. Ich bin kein Armanikenner. Ich habe auch niemals einen Pullover, einen Blazer oder einen Anzug von Armani getragen. Oft stand ich in Bozen vor den Schaufenstern des dortigen Armanishops. Die„Eleganz und Würde“ weiterlesen
Alaska – trafen sich zwei Menschen
Zwei trafen sich. Der eine, ein selbstverliebter Autokrat, halbwissende Naivität mit spontaner Intelligenz verwechselnd, einzig seiner Handvoll Macht bewusst und der Mittel, jene durchzusetzen, die Realität ignorierend, indem er sich, was er für wirklich hält, schön redet. Der andere, ein gewaltverliebter Diktator, die Geschichte mit seinen Vorstellungen davon verwechselnd, ängstlich die Macht sichernd, der er„Alaska – trafen sich zwei Menschen“ weiterlesen